16. November 2018

Paketboom: Auf den letzten Kilometern wird es eng

Der E-Commerce sorgt weiterhin für florierende Sendungsvolumina im Kep-Markt. In diesem Jahr ist laut einer Studie des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik (Biek) erstmals mit mehr als 3,5 Mrd. Sendungen zu rechnen, spätestens 2021 wird den Prognosen zufolge die 4-Mrd.-Marke überschritten. Getragen wird das Wachstum vor allem vom Anstieg bei den Paketsendungen an Privatpersonen (B2C).

Und der Handel über das Internet boomt weiter, wie aktuelle Zahlen der Handelsforscher vom IFH in Köln unterstreichen. Die Experten erwarten für das laufende Jahr einen Umsatzzuwachs von etwa 10 Prozent. Damit prognostizieren sie einen Onlineumsatz von rund 63 Mrd. EUR für 2018.

Das seit Jahresbeginn eingetrübte Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft, das sich laut Münchner Ifo-Institut im Oktober nochmals verschlechtert hat, dämpft diese Erwartungen offenbar kaum. Die Handelsumsätze florieren unverändert. „2018 wird die Branche um schätzungsweise 2,6 Prozent zulegen“, prognostizierte Konjunkturforscherin Sabine Rumscheidt vorige Woche auf dem Ifo-Branchendialog in München. „Weil der private Konsum Wachstumspfeiler bleibt, ist bis 2020 mit weiteren Zuwächsen zu rechnen.“

Vor allem auf den letzten Kilometern zum Empfänger wachsen die Herausforderungen für die Kep-Dienstleister weiter, zumal die Verbraucher immer höhere Anforderungen an Liefergeschwindigkeit und Termingenauigkeit stellen. Außerdem sollen Onlineshops mit möglichst kostenlosen Versanddienstleistungen glänzen. Marktforschungen des Regensburger Instituts Ibi Research zufolge wünschen rund 90 Prozent der Verbraucher transparente und einfache Retourenabwicklungen. Für 77 Prozent ist kostenloser Versand wichtig oder sehr wichtig, knapp 50 Prozent wollen außerdem den Versanddienstleister frei wählen.

City-Infrastruktur am Limit

Weil mittlerweile jeder Haushalt ein potenzieller Warenempfänger ist und in den Innenstädten der stationäre Handel weiter beliefert werden muss, haben gerade auf dem letzten Abschnitt der Belieferung die Verkehre stark zugenommen. „In vielen Städten ist die Infrastruktur längst am Limit angelangt“, sagt Rolf Meyer, Inhaber des Osnabrücker Logistikunternehmens Meyer & Meyer und Initiator der Citylogistik -Initiative City Wow.

An Lösungsvorschlägen für Verkehrsbündelungen und -reduzierungen fehlt es nicht. Vor allem weiter verdichtete Netze für Paketshops und -stationen sowie sogenannte Mikrohubs, welche die Feinverteilung mit Lastenrädern und E-Transportern ermöglichen, stehen auf der Agenda. Solche Lösungen können laut Meyer die LKW-Verkehre um bis zu 50 Prozent reduzieren und sollten möglichst von mehreren Kep-Diensten organisiert werden.

Und für die Zukunft werden der Einsatz von Lieferrobotern und Drohnen sowie Smart-Data-Lösungen für übergreifende Routenplanungen und weitere Anwendungen diskutiert. Allerdings müssen hier technische Hürden genommen und rechtliche sowie regulatorische Fragen geklärt werden. Für Meyer sind solche Optionen erst in 10 bis 15 Jahren realistisch.

Vorbild Medienlogistik und die Niederlande

Als ergänzende Maßnahme empfiehlt er die Bündelungen von Anlieferungen für den Handel in den frühen Morgenstunden. „Solche Verkehre ziehen sich bis 13 Uhr hin, wenn bereits viele Kunden in den Innenstädten unterwegs sind“, sagt der Citylogistiker. Als Vorbild empfiehlt er die Medienlogistik, welche die Über-Nacht-Anlieferung von Büchern bis 9 Uhr abschließt.

Außerdem solle sich Deutschland an den Niederlanden orientieren: Mit Standards für Geräuschemissionen bei Be- und Entladevorgängen, günstigen Steuersätzen für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) sowie einem dichten Ladesäulennetz habe das Nachbarland frühzeitig günstige Rahmenbedingungen für eine moderne Citylogistik geschaffen, fügt Meyer an. Als Folge müsse sich diese nicht mit Umweltzonen und Fahrverboten auseinandersetzen.

Auch neue Distributionslösungen können zur Entlastung beitragen, wie Otto-Logistikmanager Frank Gallus am Beispiel der neuen Online-Plattform Otto Market aufzeigte. Auf dieser können externe Shopbetreiber ihre Produkte unter eigenem Namen oder dem Otto-Label vermarkten. Jetzt will der Hamburger Versandhändler die bis zu acht Tage langen Lieferzeiten mit intelligenten Bedarfsprognosen deutlich reduzieren. Stark nachgefragte Produkte können auch ohne Aufträge an Otto-Lager verschickt werden. Gallus rechnet mit hohen Bündelungseffekten.

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