|  22. Januar 2015
aktualisiert am 12.08.15 09:47h

Generation Y "tickt" anders

Die Generation der 15- bis 30-Jährigen passt sich den unruhigen Gegebenheiten an. Logistikunternehmen sollten sich beizeiten darauf einstellen, denn die Ypsiloner sind die kommenden Führungskräfte und entscheiden in zehn Jahren über Wohl und Wehe einer ganzen Branche.

Generation Y - was bedeutet das nun überhaupt? Und wie gehen wir damit um? Das Y - ausgesprochen wie das englische why - hätte treffender nicht sein können. Warum soll ich das tun? Warum soll ich dies lassen? Warum ist das gut für mich? Was habe ich davon? Worin besteht mein Vorteil? Diese Fragen ziehen sich durch das Leben der 15- bis 30-Jährigen. Das geht so weit, dass sich die grundsätzliche Frage der von der Midlife-Crisis gebeutelten Erwachsenen nun schon 20 Jahre früher stellt: Was ist der Sinn des Lebens?

Angesichts der unsicheren Lage macht es Sinn, neben Plan A mindestens noch einen Alternativplan B, einen Notfallplan C und einen Alarmplan D zu haben. Alle Optionen offenzuhalten und sich nicht festzulegen ist die Devise. Ideale, Werte, Normen - alles Schnee von gestern. Aus dem Bauch heraus improvisieren wird zum zentralen Lebensmotto.

Das führt zu Problemen. Die Ypsiloner haben einen regelrechten Horror davor, sich durch eine Entscheidung zu früh zu binden. Also besser aufschieben und abwarten - manche Dinge regeln sich von allein. Es kann sogar passieren, dass der richtige Zeitpunkt für eine Entscheidung verpasst wurde. Das halten die Ypsiloner immer noch für besser, als eine falsche Abzweigung zu nehmen. Dieses Verhalten kann Eltern, Ausbilder oder Vorgesetzte schon mal an den Rand der Verzweiflung treiben. Wobei das Vorgehen der jungen Leute durchaus nachvollziehbar ist: Warum sollte jemand, der aus 30 Sorten Kugelschreibern, 300 TV-Programmen, einem Dutzend Kinofilmen und 30 Soap Operas wählen kann, sich für nur eine Variante entscheiden? Das wirkt auch auf den beruflichen Werdegang. Bloß nicht zu früh etwas beschließen, um sich nicht mögliche Wege zu verbauen. Trifft man dann doch noch irgendwann eine Entscheidung, kann man diese zur Not auch wieder rückgängig machen, wenn sich plötzlich eine bessere Alternative bietet.

Mitunter treibt diese Einstellung zum Leben im Allgemeinen und zur Arbeit im Besonderen seltsame Blüten. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels wittern die jungen Menschen Morgenluft. Sie sind von ihren Fähigkeiten restlos überzeugt, trauen sich unheimlich viel zu und verlieren dabei oft ein wenig die Bodenhaftung. Die Bekräftigung und das große Maß an Lob der Eltern, die mit viel Zuspruch und positiver Rückmeldung ihrer erzieherischen Aufgabe nachgekommen sind, bestätigen die Ypsiloner in ihrer hohen Meinung von sich selbst. So kommt es denn auch, dass mehr als 10 Prozent der 30-jährigen Männer keinerlei Notwendigkeit sehen, aus dem Hotel Mama auszuziehen - warum sollte man auch den Status des Kronprinzen aufgeben?

Wurden die Baby-Boomer (die Generation vor dem Pillenknick) und die Generation X (die 1960er- und 1970er-Jahrgänge) von den noch Älteren schon mitunter als schrullig empfunden, dann setzt die Generation Y neue Maßstäbe in Sachen Sonderlinge. Die nach 1985 geborenen Egotaktiker ticken komplett anders. Sie nutzen einen Mechanismus, der sie schnell und präzise die Ausgangslage erfassen lässt. Chancen werden blitzschnell ausgelotet, Möglichkeiten bewertet, Nebenwirkungen eingeschätzt. Ihr daraus folgendes Verhalten stellt sicher, dass möglichst viel Benefit für sie selbst dabei herauskommt.

Über allem steht die Leitfrage: Was ist das Beste für mich und wie bekomme ich es? Die Egotaktik scheint das Mittel der Stunde zu sein. Vor dem Hintergrund, dass 20 Prozent der Schulabgänger keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz bekommen, bleibt ihnen häufig nichts übrig, als sich mit der Situation zu arrangieren. Die üblichen geradlinigen Werdegänge gibt es kaum noch, mehrere Teilzeitjobs gleichzeitig und unbefristete Verträge sind zwangsläufig die Regel. Wie soll ein 25-jähriger Mensch da seine Zukunft planen? 1960 hatten beispielsweise 70 Prozent der 30-Jährigen eine Ausbildung, Wohnung und Familie - heute sind es lediglich 15 Prozent.

Tendenz: weiter sinkend. Verantwortlich für diese Entfaltung ist sicherlich die politische, aber auch die technische Entwicklung. Tablets, Smartphones und Facebook leisten ihr Übriges, um eine ganze Generation zu formen und nachhaltig zu verändern. Ypsiloner leben mit der Ungewissheit und haben sich nicht nur an sie gewöhnt, sondern ihren Vorteil daraus gezogen.

Spedition muss mehr bieten

Welche Auswirkungen hat dies alles nun auf die Ausbildungsbetriebe der Logistik? Ohnehin oft dritter Gewinner hinter Industrie und Handel, ist das eher raue und stressige Umfeld der Spedition nicht unbedingt sexy aus Sicht der Karrierebeginner. Zum Glück tut sich auch dort etwas, Karriere ist durchaus möglich, und gute LogistikerInnen sind gefragt wie nie. Und nun treffen zwei Welten aufeinander. Grundsätzlich stehen die Ypsiloner zum Gewinnprinzip und zum Kapitalismus, aber im Fokus steht nicht das Geld, sondern eine interessante Aufgabe oder ein spannendes Projekt mit ausgezeichneten Profilierungsmöglichkeiten.

Pflichterfüllung, eigene Interessen unterordnen - das ist nicht in ihrem Sinne. Dass der Arbeitgeber auf ihre Wünsche eingeht und ihre Bedürfnisse erfüllt - das sehr wohl. Auffällig sind aktuell die sich häufenden persönlichen oder familiären Auszeiten. Kommt der Arbeitgeber diesem Wunsch nicht nach, wechselt man halt den Job. Flexible Arbeitszeiten, ein Zeitkonto, Elternzeit und Heimarbeit werden gefordert, Betriebskindergärten oder vom Betrieb organisierte Betreuung der Kinder werden gern angenommen.

Geradlinige Werdegänge sind ja selten geworden, ein Patchwork aus unterschiedlichsten Kompetenzen und Erfahrungen, disziplinübergreifend, erscheinen vermehrt. Baustein für Baustein zeigt sich ein Persönlichkeitsprofil wie ein Mosaik.

Kommentare

Atessa Kern 29. Januar 2016 | 10:47 Uhr

Super Artikel. Genau so geht es den jungen Leuten heute. Mir wären ein paar konkretere Lösungsansätze für Unternehmen wichtig. Die besonders an diese gerichtet werden. Da viele Geschäftsführer natürlich älter als 30 Jahre sind ist an dieser Stelle das Verständnis oft am kleinsten, wo es jedoch am größten sein sollte.
Liebe Grüße, A. Kern

Kommentar veröffentlichen
Nur an die Redaktion senden

Captcha:*



* - Pflichtfeld