|  30. Juli 2015
aktualisiert am 16.12.15 14:51h

„Ich wollte etwas Praktisches machen“

Nadine Baumgarten ist Frühaufsteherin. Sie nutzt die ruhigen Morgenstunden im Büro, um die Dinge zu erledigen, die im hektischen Tagesgeschäft auch mal liegen bleiben, oder um wichtige Telefonate ungestört zu führen. Die 26-Jährige ist gelernte Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistung – und Trägerin des Nachwuchspreises Spedition und Logistik. Doch das ist längst nicht alles.

Baumgarten hatte im Gymnasium die Leistungskurse Biologie und Chemie belegt, und damit war klar, dass ihr beruflicher Weg in Richtung Naturwissenschaften führen würde. „Eigentlich hatte ich vor, Chemie zu studieren“, erinnert sie sich. Nach einem einwöchigen Schnupperkurs an der Uni Bremen wusste sie aber, dass sie nicht den ganzen Tag in einem Labor stehen, sondern viel lieber mit Menschen zu tun haben wollte. Vom reinen Studium kam sie schließlich ganz ab, weil sie nach dem Abitur viel mehr Lust hatte, etwas Praktisches zu machen.

Ausbildung mit Parallelstudium

In der Zeitung las sie von der dualen Ausbildung beim Logistikunternehmen Kühne + Nagel, „das hier in Bremen einen sehr guten Ruf genießt“, sagt sie. Ausgeschrieben war eine Ausbildung plus Studium mit der Option, während der Zeit ins Ausland zu gehen. „Ich habe mich beworben und wurde eingestellt“, erzählt Baumgarten. Von 2008 bis 2011 absolvierte sie also die Ausbildung und machte parallel dazu – in einem Abend-und-Wochenend-Studium – ihren Betriebswirt in Verkehr und Logistik.

Schnell stellte sie fest, dass ihr die Arbeit bei KN sehr viel Spaß macht und sie bleiben will. Bald folgte ein sechswöchiger Arbeitsaufenthalt in New York. „Das war total spannend“, sagt sie. Im Anschluss daran stieg sie im Key-Account-Management Automotive als Excellence Manager ein. In dieser Funktion bearbeitete sie Ausschreibungen, kümmerte sich um Statistiken und unterstützte auf diese Weise die Key-Account-Manager. Am 1. Juni dieses Jahres hat sie die Assistenz für die Leitung des Key-Account-Managements im Bereich Deutschland übernommen, wo sie sich vorrangig um das Vertriebscontrolling kümmert und als Ansprechpartnerin für das interne Customer Relationship Management System zuständig ist. „Meine Aufgabe ist damit strategischer und analytischer geworden“, sagt Baumgarten.

Doch zuvor, im Jahr 2012, hatte Baumgarten ihren Bachelor abgeschlossen und parallel dazu bis Ende Januar dieses Jahres den Master mit den Schwerpunkten Management, Sales und Marketing abgelegt. Damit ist die junge Frau seit sechseinhalb Jahren bei KN mit Vollzeitausbildung und Studium nebenbei beschäftigt. „Ich bin froh, dass ich jetzt damit durch bin“, räumt sie ein. Die Belastung sei sehr groß gewesen. Viel Freizeit blieb ihr die ganzen Jahre nicht.

Doch der Stress hat sich aus ihrer Sicht gelohnt, denn von Anfang Februar bis Mitte April durfte sie für KN nach Shanghai – natürlich zum Arbeiten, aber auch, um in eine völlig andere Kultur reinzuschnuppern. Etwas Zeit zum Reisen blieb ebenso. Es sei eine tolle Erfahrung gewesen, in zweieinhalb Monaten China kennenzulernen. „Shanghai steht nicht nur kulturell, sondern auch arbeitsmäßig in einem starken Kontrast zu Bremen oder New York“, so Baumgarten.

Wichtige Auslandserfahrung

„KN ist ein Global Player “, sagt sie. Das Unternehmen in einem anderen Land kennenzulernen sei beeindruckend. Diese Möglichkeit sei bei kleineren oder mittelständischen Unternehmen nicht immer gegeben. „Außerdem existiert KN seit 125 Jahren, und ich kann von dem großen Erfahrungsschatz nur profitieren.“ Sie sei sehr dankbar, dass sie das alles kennenlernen durfte. „Ich weiß dadurch viel besser zu schätzen, wie gut die Umweltbedingungen hier in Deutschland sind“, stellt sie fest – allein die Luft- und Wasserqualität seien hier unschlagbar gut. „Für mich sind das grundlegende Voraussetzungen für ein gutes Leben“, fügt sie hinzu.

2011 hat Baumgarten den DSLV-Nachwuchspreis gewonnen. „Das war eine spannende Zeit. Ich stand plötzlich in der DVZ, war ein kleines bisschen berühmt und wurde von vielen Leuten darauf angesprochen“, schildert sie ihre Erfahrungen. Sie durfte sogar dem damaligen Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Hand schütteln. Das Feedback auf den Preis sei sehr positiv gewesen, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens. „Ich konnte damit auch ein größeres Netzwerk aufbauen“, sagt sie. Natürlich sei alles nicht ganz einfach gewesen, da sie ja zeitgleich ihren Bachelor abgelegt habe. „Aber ich habe die Herausforderungen gemeistert.“

Die vergangenen sechseinhalb Jahre waren von Arbeit und Studium geprägt. Jetzt will sich Baumgarten wieder mehr ihren Freunden und ihren Hobbys widmen. Viel Entspannung findet sie im Reisen. „Das begeistert mich seit meiner Kindheit“, sagt sie. Zu Hause entspannt sie in der Natur. „Ich bin sehr gern draußen zum Spazieren, Wandern oder Joggen.“

Fortbildung auch im Privaten

Den täglichen Arbeitsweg legt sie mit dem Fahrrad zurück. Und an den Wochenenden trifft sie sich jetzt, da sie wieder mehr Zeit hat, gern mit Freunden zum gemeinsamen Kochen oder Backen. „Früher habe ich sehr gern Aquarelle gemalt. Auch das will ich wieder machen“, erzählt sie. Doch ohne Fortbildung scheint es bei Baumgarten nicht zu gehen. So plant sie, ein paar Malkurse zu belegen und in Sprachkursen ihr Französisch und Spanisch aufzufrischen.

„Ich bin superzufrieden, wie alles gelaufen ist – auch wenn ich zwischendurch überlegt habe, ob das nicht alles zu viel wird“, gesteht sie. Doch die Verknüpfung von Theorie und Praxis sei dabei optimal gewesen. „Ich konnte abends Gelerntes gleich am nächsten Tag in der Praxis anwenden“, sagt sie.

Außerdem ermuntert Baumgarten junge Auszubildende, sich um den DSLV-Nachwuchspreis zu bewerben. Das eigene Wissen wird in einem Wettbewerb unter Beweis gestellt, und über den Preis bekomme man eine Bühne. Die Leute sprechen einen an, so dass die Möglichkeit besteht, ein großes Netzwerk aufzubauen.

Irgendwann will Baumgarten eine eigene Familie gründen und ist überzeugt, dass KN sie dabei unterstützen wird, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. „Derzeit wird ein Work-Life-Balance-Programm aufgebaut, es gibt Kinderbetreuung oder Teilzeitangebote“, sagt sie. Doch bevor das so weit ist und wenn es ihre Zeit erlaubt, will sie noch Südamerika, Australien und Neuseeland kennenlernen. Es gibt noch viel zu erleben. (tof)

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