20. April 2015
aktualisiert am 03.02.16 10:52h

Juniorchef mit eigener Handschrift

Die Alfred Schuon GmbH Internationale Spedition + Logistik hat schwierige Zeiten erfolgreich bewältigt und sich nach einer Insolvenz 2003 wieder zu einem prosperierenden Unternehmen entwickelt. Nun zieht sich Theo Schuon nach mehr als 50 Jahren im Betrieb langsam zurück und übergibt die Leitung an seinen Sohn Alexander. Der ist seit Anfang des Jahres 2015 gemeinsam mit seinem Vater Teil der vierköpfigen Geschäftsführung. Sehr entspannt wirken beide, der Vater vertraut dem Sohn sein Lebenswerk an, und der traut sich zu, das Unternehmen, an dem auch seine beiden Schwestern beteiligt sind, erfolgreich zu führen.

Derzeit sind Vater und Sohn noch gemeinsam Geschäftsführer. Auf die Frage, wie sich der Vater die Übergabe vorstellt, antwortet zunächst der Sohn mit einem Lachen und der Bemerkung: „Gute Frage, vielleicht sagt er Ihnen ja mehr als uns.“ Doch er erweckt dabei nicht den Anschein, als wollte er seinen Vater schnell auf dem Altenteil sehen.

Der ist im Moment noch zuständig für das Personalwesen, aber natürlich, so ergänzt er, berate er sich bei Einstellungen mit seinem Sohn. Auch Finanzwesen und die Verhandlungen über Löhne fallen noch in seine Zuständigkeit, dazu gehört es auch abzuschätzen, in welchen Segmenten wie viel Umsatz zu erwirtschaften ist.

Nicht viele Änderungen

„Eigentlich hat sich aber durch die Übernahme der Geschäftsleitung im Alltag gar nicht viel verändert“, stellt Alexander Schuon fest. Das sieht auch sein Vater so: „Ich habe ihm früher schon freie Hand gelassen.“ Der Sohn hatte schon seit 2007 Prokura: „Damit konnte ich schon sehr viel entscheiden, nun trage ich dafür auch Verantwortung“, erklärt der Sohn.

In die ist sein Vater Theo, der den elterlichen Betrieb übernommen hat, ebenso hineingewachsen wie Alexander Schuon. Er habe sehr früh die Buchhaltung übernommen, erzählt Theo Schuon. 1979 hat sein Vater, der Firmengründer Alfred Schuon, seine vier Söhne am 1951 gegründeten Fuhrunternehmen beteiligt. Einer der Brüder stieg 1992 aus, die beiden anderen sind seit der Insolvenz 2003 nicht mehr am Unter nehmen beteiligt.

Die eineinhalb Jahre dauernde Zeit der Insolvenz sei eine enorme Belastung gewesen, berichtet Theo Schuon: „Wenn ich nicht mit aller Macht gewollt hätte, dass es weitergeht, wäre das nicht zu machen gewesen.“ Insolvenzverwalter und Gläubiger hat er überzeugt und konnte ohne Fremdbeteiligung neu anfangen. Auch den Sohn Alexander hat das geprägt: „Wenn das Bild, das man sich gemacht hat, so erschüttert wird, hat das natürlich Auswirkungen.“ Für seine Kinder sei damals noch nicht klar gewesen, dass sie in die Firma einsteigen, berichtet Theo Schuon. Tochter Sandra Grimm hat dann noch in der Krise den Schritt gewagt und, so sagt ihr Bruder, die härteste Zeit mitgemacht.

Er selbst hat als Schüler immer schon in der Firma mitgearbeitet, in der Werkstatt und im Lager – und neben dem Abitur nicht nur den LKW-Führerschein, sondern die komplette Ausbildung zum Berufskraftfahrer gemacht. „LKW gefahren bin ich dann in den Schulferien“, meint Alexander locker. Die Zeit ihm Unternehmen habe ihm geholfen, eine klare Vorstellung davon zu bekommen, wie bestimmte Vorgänge ablaufen, wie viel Zeit sie benötigen und welcher Aufwand dahintersteckt. Doch direkt nach dem Abitur hat er zunächst ein Duales Studium der Betriebswirtschaft absolviert und bei einer Bank gearbeitet. „Die hätten mich auch gern übernommen“, meint Alexander Schuon.

Spediteur spannender als Banker

Die Aufgaben, die er bei der Bank kennengelernt hatte, reizten ihn dann aber doch wesentlich weniger als die Weiterentwicklung des väterlichen Betriebs. Nach dem Ende der Ausbildung war er ein Jahr bei Südkraft und wechselte dann 2006 in den elterlichen Betrieb. Auf die Frage, ob ihm denn die Erfahrung des Vaters mit der Insolvenz keine Sorge mache, ist die Antwort eindeutig: „Nein, aber die Insolvenz hat Sensibilität dafür aufgebaut, nicht nur auf das Transportgeschäft zu setzen.“ Reiner Transport stehe zu sehr unter Preisdruck, „da wird es für deutsche Unternehmen zunehmend schwieriger“. Und dieser Preisdruck habe sich durch Onlinebörsen noch erhöht.

Er will neue Geschäftsfelder stärken. Diese müssten zwei Kriterien erfüllen: Nicht nur der Umsatz, sondern das Ergebnis müsse stimmen, und es müssten Bereiche sein, in denen man nicht austauschbar ist. Dazu gehört die Lagerlogistik, die er schon zu einem wichtigen zweiten Standbein ausgebaut hat. „Da ist man tiefer in die Unternehmen integriert, die Austauschbarkeit ist geringer“, sagt Alexander Schuon.

Als weiteres Standbein sind Personaldienstleistungen hinzugekommen. Die bietet das Unternehmen seit Februar dieses Jahres an, derzeit sind bereits 80 ungarische Fahrer unter Vertrag. Der „neue Schuon“ hat also schon mehr als nur Duftmarken gesetzt. (sm)

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