|  20. Juli 2015
aktualisiert am 17.12.15 13:59h

Senkrechtstarter in der Kontraktlogistik

"Mit einer Initiativbewerbung fing alles an", erinnert sich Philipp Bittner. Das war 2005. Heute ist der 36-Jährige für rund 40 Mitarbeiter verantwortlich. Einen rasanten Aufstieg legte der gebürtige Murger hin: Seit Oktober 2007 ist Bittner Regionalleiter Nordwestschweiz bei der Rhenus Contract Logistics AG (Schweiz). Und seit Januar 2010 ist er Mitglied der Geschäftsleitung der Kontraktlogistik-Einheit von Rhenus Alpina. Als Jahrgangsbester beendete er 2012 die Weiterbildung zum eidgenössischen Speditionsleiter.

"Wir wollen Zollschnittstellen für die automatische Verarbeitung von Massendaten schaffen, in der Medizinaltechnik und bei pharmazeutischen Produkten wachsen und Pick-by-Voice an allen anderen Rhenus-Contract-Logistics-Standorten einführen. Das sind derzeit die Hauptthemen im Geschäft", sagt der diplomierte Wirtschaftsingenieur.

Bittner will die neuen Produkte aus seinem Verantwortungsbereich schnell an den Markt bringen, betont er. Das treibt ihn. Dass ihm das zusammen mit seinem Team im vergangenen Jahr wohl recht gut gelungen ist, zeigt ein Blick auf das Geschäftsjahr 2013 der Rhenus Alpina: Seine Division Rhenus Contract Logistics (RCL) erzielte ein positives Ergebnis - trotz eines schwierigen Marktumfeldes, das von Verlagerungstendenzen und einem anhaltenden Preisdruck infolge des starken Schweizer Frankens geprägt gewesen sei, so Bittner.

Neue Kunden gewonnen

So gelang es ihm, kleinere und mittlere Neukundengeschäfte zu gewinnen. Keine Selbstverständlichkeit im hart umkämpften Verdrängungswettbewerb der Vertragslogistik. Zudem konnten die RCL-Standorte Buchs und Spreitenbach erfolgreich nach Iso 13485 (Medical Appliances) und nach Iso 22000 (Food) zertifiziert werden.

Der zweifache Familienvater lebt in Lörrach, ist begeisterter Fußballer und seit dem 1. August 2005 bei der Rhenus Contract Logistics AG beschäftigt. Schon als Student engagierte er sich als Tutor an der Universität Karlsruhe. Bittner begleitete andere Studierende, wenn es darum ging, den einen oder anderen wichtigen "Schein" zu bekommen. "Außerdem gab es Geld dafür", sagt Bittner schmunzelnd. "Ein paar Euro nebenher, das war nicht so schlecht."

Auch heute noch gibt er sein Wissen gerne weiter. Er lehrt als Dozent für Supply Chain Management und Logistik beim Verband Spedlogswiss in Basel. Seit Dezember 2013 gehört er zum festen Dozententeam des Verbands der international tätigen Speditions- und Logistikunternehmen in der Schweiz.

Nach dem Abitur (an einem Wirtschaftsgymnasium) und anschließendem Wehrdienst war indes "noch gar nicht die Rede von Logistik", erzählt Bittner. Vielmehr sei er absolut unschlüssig gewesen, was er danach machen sollte. Kein Plan. Ein Freund empfahl ihm damals das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Uni Karlsruhe. "Der hat gemeint: Wir schauen uns das mal an." Bittner war dabei, hörte in eine Vorlesung rein, verstand kein Wort, "aber die Leute waren ganz lässig". "Okay", sagte er sich, "das sieht gut aus, von daheim will ich eh weg, ich schreib mich ein." Das habe zum Glück geklappt, meint er rückblickend.

Nach dem Vordiplom entschied sich Bittner dann für die Fachrichtung Logistik/Supply Chain Management. "Das Interdisziplinäre reizte mich einfach an der Logistik. Und so nahm das ganze Logistikthema langsam Fahrt auf", erzählt er.

Langsam? Eine Blindbewerbung reichte Bittner, um als frisch gebackener Diplom-Wirtschaftsingenieur bei Rhenus in der Schweiz vorsprechen zu dürfen. "Obwohl die gar keinen Wirtschaftsingenieur gesucht haben", erinnert er sich. Es klappte.

Joggen und Fußball, das sind seine Hobbys. Außerdem ist er gerne mit seiner Frau und den beiden Söhnen Paul (11) und Emil (8) sowie Freunden zusammen. Das ist sein Ausgleich. Auch zur zahlengeprägten Kontraktlogistikwelt. Aus dem Studium kann er heute "nicht mehr so viel fürs tagtägliche Geschäft ziehen. Das war auch einfach viel Mathe". Aber in den Strukturen von damals zu denken, sich an ein Problem heranzutasten und sich einen Lösungsweg zu erarbeiten, "das hilft mir heute schon noch sehr", erklärt er.

Während Diplomarbeit unter Druck

So ganz ohne Druck übrigens liefen Studienabschluss und anschließende Jobsuche nicht ab. "Während meiner Diplomarbeit kam der Paul auf die Welt", sagt Bittner. Die Abschlussarbeit schreiben und zwischendrin das Baby wickeln - das erhöhte den Einsatz, möglichst schnell erfolgreich zu sein - beim Abschluss und anschließend, als es darum ging einen Job zu finden. (sm)

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