27. November 2018

Best Practice

Die Gerdes + Landwehr setzt seit 2006 auf WEBFLEET. Im Zusammenspiel mit dem Transportleitstand OPHEO von initions disponiert das Unternehmen seit Februar 2018 auf einem neuen Level innerhalb der Branche – vollautomatische Tourenplanung, digitaler Tachograf und Forecasting-Funktion machen es möglich 

Zum Kundenkreis von Gerdes + Landwehr zählen im Logistik- und Baustoffbereich typischerweise Baustoffproduzenten. „Wir sind spezialisiert auf staubförmige Produkte – also auf alles, was am Bau an zementgebundenen oder kalkgebundenen Produkten bis hin zum Fliesenkleber benötigt wird“, umreißt John-Henrik Landwehr, Geschäftsführer des Unternehmens, das Tätigkeitsfeld. Gearbeitet wird in Deutschland und den Benelux-Ländern von Sulingen und Beckum aus. Rund 200 Mitarbeiter sind in diesem Unternehmensbereich tätig. Insgesamt hundert Fahrzeuge – fast ausschließlich Silo-Fahrzeuge und einige wenige Kipper – sind mit TomTom PRO 8.275 Driver Terminals und TomTom LINK 510 Fahrzeugortungsgeräten ausgestattet.

Die Aufgabe

Gerdes + Landwehr begann bereits frühzeitig, die Vorteile durch WEBFLEET für sich arbeiten zu lassen. „In unserem Geschäft geht es neben dem reinen Transport immer auch um Informationen. Wo sind meine Fahrzeuge? Wie bewegen sie sich? Das ist immens wichtig. Deshalb arbeiten wir mit WEBFLEET schon sehr lange“, so Landwehr. Ausschlaggebend für die Partnerschaft war 2006 eine eigene Marktanalyse. Ein Jahr zuvor hatte TomTom als Anbieter von mobilen Navigationsgeräten die Leipziger Datafactory AG mit ihrem Telematik-Know-how übernommen. Für Landwehr auch rückwirkend betrachtet noch ein sinnvoller und nachhaltiger Zusammenschluss. Geschäftskunden konnten ab diesem Zeitpunkt präzise Navigation und durchdachte Telematik auf Basis von WEBFLEET nutzen.

Verfügbare Programme keine Hilfe für Disponenten

Bereits 2008 machte Gerdes + Landwehr erste interne Studien zum Thema Dispositionsunterstützung. Die damals verfügbaren Programme konnten zwar eine beachtliche Rechenleistung vorweisen, aber den Disponenten nicht helfen. Es fehlte schlicht an den nötigen Informationen. „Ganz wesentlich war, dass Lenk-, Ruhe und Arbeitszeiten nur im analogen Tachograf vorlagen. Diese Daten waren im Fahrzeug, aber nirgendwo anders. Die konnte die Telematik nicht nutzen“, erinnert sich Landwehr. Erst als mit der zunehmenden Digitalisierung über Remote-Download-Tools Lenk-, Ruhe- und Arbeitszeiten in Echtzeit an jedem Ort zur Verfügung standen, lohnte sich für Landwehr eine erneute Recherche. Entsprechend begann das Unternehmen 2017, den Markt erneut zu sondieren und verschiedene Optionen zu prüfen.

Disposition im Silo-Bereich noch fast überall wie vor 30 Jahren

Ziel war es, eine dringend notwendige Unterstützung im Bereich der Disposition zu liefern. Landwehr schätzt ein, dass die Disposition im Silo-Bereich noch fast überall wie vor 30 Jahren stattfindet. Dadurch hinkt sie den heutigen technischen Möglichkeiten weit hinterher. „Algorithmen, die eben auch alle gesetzlichen Lenk- und Ruhezeitthematiken für die Zukunft abarbeiten, waren lange nicht verfügbar. Wir wollten aber den Disponenten von der handwerklichen Kopfrechnerei entlasten und ihm ein Hilfstool geben.“ Bei sechzig Fahrzeugen am Tag ist ein Mitarbeiter nicht mehr in der Lage, tausende Varianten im Kopf zu planen, zu berechnen und zu prüfen – jeweils mit exakten Kilometern und Lenk- und Ruhezeiten. Darüberhinausgehend lag das Augenmerk von Gerdes + Landwehr darauf, in der Disposition schlummernde Potenziale zu entdecken und zu heben. „Wenn sie eine große Berechnung im Kopf durchführen, sind sie immer langsamer. Und je komplexer das Thema ist, auch uneffektiver.“ Das bedeutet, Optimierungsmöglichkeiten gehen am Ende verloren oder der Disponent entscheidet aufgrund von hohem Zeitdruck falsch. Knappe Lenkzeiten ließen sich besser vermeiden.

Die Lösung

Im Februar 2017 gab es dann die erste Kontaktaufnahme mit initions. Nach einer Vorstellung des Transportleitstands OPHEO fiel die Entscheidung bei Gerdes + Landwehr sehr schnell, so dass im Herbst 2017 das Einführungsprojekt begonnen werden konnte. Neben dem OPHEO Dispo-Cockpit und OPHEO Mobile, der auf den Driver Terminals von TomTom installierten Liefer-App, nutzt Gerdes + Landwehr heute drei OPHEO+ Dienste, die für die Automatisierung der Disposition von zentraler Bedeutung sind: „Da ist zunächst einmal der ixOptimizer, der für die automatische Tourenplanung eingesetzt wird“, erläutert Stefan Anschütz, Vorstandsmitglied und Gründer der initions AG. „Hinzu kommen Echtzeit-Tachodaten, die wir im Zusammenspiel mit WEBFLEET einsetzen, um die Daten aus den digitalen Tachografen für OPHEO und damit für die Disposition nutzen zu können. Und schließlich die Forecasting-Funktion, mit der Gerdes + Landwehr – auch basierend auf den WEBFLEET-Daten – vorausschauend planen kann.“ So ermittelt OPHEO die Statussituation der Fahrer für die nächsten Stunden und kann unter anderem prüfen, ob die Lenkzeit des Fahrers für die geplante Tour noch ausreicht. 

Kunden bestellen heute für morgen – Kapazität und Auslastung von zentraler Bedeutung

Im Zusammenspiel mit WEBFLEET ist OPHEO in der Lage, minütlich eine komplette Disposition durchzuplanen und zu kalkulieren. „Das heißt, wenn ich das sechzig Sekunden laufen lasse, errechnen die Algorithmen sechzigtausend Dispositionspläne, die sich einem Optimum annähern“, schätzt Landwehr ein. Damit lässt sich über den gesamten Tagesverlauf prüfen, wie der Auslastungsgrad aller Fahrzeuge ist. Relevant ist das insbesondere, weil Kunden im Baustoffbereich heute zu achtzig Prozent für morgen bestellen. Entsprechend muss Gerdes + Landwehr mit einer relativ volatilen und damit unstetigen Auftragsmasse umgehen – jeden Tag aufs Neue.

Die Transportbetonindustrie macht über fünfzig Prozent des Zementverbrauchs in Deutschland aus. „Die überlegen weitestgehend heute für morgen. Das ist ein Produkt, das nicht gelagert und erst in dem Moment produziert wird, wenn es die Baustelle braucht“, so Landwehr. Für ihn ist dies die größte Herausforderung. Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, dass die Disposition frühzeitig erkennen kann, wie ausgelastet der Fuhrpark und das Fahrerteam sind. Seit Februar 2018 hilft OPHEO dabei erheblich, indem es aktiv darauf hinweist, wann eine Zeitüberschreitung droht. „Es geht um die Kapazität. Voraussagen treffen, konnten wir bereits vorher gut. Da WEBFLEET schon seit vielen Jahren bei uns läuft, wussten wir, ob ein Fahrzeug pünktlich ist oder nicht.“

Optimierte Tourenplanung auf Knopfdruck

Die Transportaufträge werden bei Gerdes + Landwehr zunächst im ERP-System Navision von Microsoft (Microsoft Dynamics NAV) verarbeitet. Über die offene Navision-Schnittstelle greift OPHEO darauf zu und erfasst alle Aufträge. Die Disponenten planen anschließend die einzelnen Touren über die Software. „An dieser Stelle kommt der OPHEO+ Dienst ixOptimizer zum Einsatz. Er erstellt auf Knopfdruck komplett automatisch einen Tourenvorschlag – also welches Fahrzeug übernimmt den Transport, in welcher Reihenfolge etc.“, erklärt Anschütz von der initions AG das Grundprinzip.

Vor Einführung von OPHEO mussten die Disponenten zeitraubend alle möglichen und unmöglichen Optionen im Kopf durchspielen. Das geht jetzt schneller und bringt Produktivitätsvorteile. Zudem kann der Disponent die Planung eben nicht nur einmal machen, sondern einfach – wenn zwei, drei Stunden vergangen und weitere Aufträge eingetroffen sind – erneut einen optimierten Tourenvorschlag generieren. Die Wiederholung ermöglicht optimal abgestimmte Pläne und Rahmenbedingungen für die Fahrer, die Lenk- und Ruhezeiten auch einhalten müssen, obwohl noch weitere Aufträge hinzugekommen sind.

Wenn die Tourenplanung abgeschlossen ist, gehen die Daten digital von OPHEO über das Mobilfunknetz an die OPHEO MOBILE App auf den TomTom Driver Terminals in den Fahrzeugen. Wenn ein Fahrer seine Tour beginnt, kann er darüber den Auftrag durchführen und die Adressdaten des nächsten Stopps jeweils mit einem Fingertip aus der Mobile App von OPHEO in die TomTom Navigation übernehmen. Während er das tut, sammelt WEBFLEET im Hintergrund die Informationen zum Fahrzeug, dessen Position und zum Status des digitalen Tachografen im Silo-Fahrzeug. Dieses gesammelte Wissen gibt WEBFLEET an OPHEO zurück.

WEBFLEET und OPHEO sind vollständig kompatibel

Der Disponent kann in OPHEO nicht nur sehen, wie viel Restlenkzeit der Fahrer zum aktuellen Zeitpunkt noch hat. OPHEO prüft für ihn auch parallel, ob die Planung weiterhin Bestand hat und weist ihn aktiv auf mögliche Lenkzeit-Engpässe in den nächsten Stunden hin. Kopfrechnen ist nicht mehr nötig. Darüber hinaus warnt und informiert OPHEO über sich anbahnende Verzögerungen und verspätete Auslieferungen. So kann der Disponent den Kunden informieren oder – wenn noch möglich – eine Umplanung vornehmen und ein anderes Fahrzeug pünktlich zum Kunden schicken. „OPHEO reichert die ursprüngliche Planung permanent mit den Ist-Daten aus WEBFLEET an und gibt dem Disponenten damit wichtige Entscheidungshilfen“, fasst Dr. Anschütz zusammen. WEBFLEET und OPHEO sind völlig kompatibel und darüber hinaus auch in das bei Gerdes + Landwehr eingesetzt ERP-System von Navision integriert. Die bei der Auftragsannahme in Navision erfassten Daten muss anschließend niemand wieder in die Hand nehmen.

Digitale Lieferscheine und Begleitpapiere entlasten Fahrer

Der Fahrer wird zudem bei seiner täglichen Arbeit spürbar entlastet, da der gesamte Prozess digital abläuft. Nur wenige Statusmeldungen muss er auf seinem TomTom PRO Driver Terminal noch bestätigen. Primär geht es darum, ob er an der Entladestelle bereits entladen kann oder noch warten muss. Alle weiteren Statusänderungen werden automatisch über das sogenannte Geo-Fencing erkannt. Für eine Übergangszeit lässt Gerdes + Landwehr alle Begleitpapiere und Lieferscheine noch parallel mitlaufen. „Das machen wir auch noch eine Weile, weil es in Deutschland ein notwendiges Begleitpapier für den Transport ist“, so Landwehr. Wenn die Transportunterlagen überall vollständig elektronisch akzeptiert sind, unterschreibt der Kunde auf dem TomTom PRO Driver Terminal, so wie man das vom Paketboten kennt. Die Unterschrift ist dann digital auf dem Lieferschein hinterlegt, dieser kann versendet und archiviert werden.

Partnerschaftlich und kompetent bei vollautomatisierter Dispositionsunterstützung

An TomTom Telematics und WEBFLEET schätzt Landwehr den uneigennützigen Blick auf das Produkt. Nach seinem Dafürhalten geht es stets darum, dieses bestmöglich weiterzuentwickeln. „Die Kunden waren immer Teil dieser Entwicklung – ohne dass versucht wurde, irgendwelche Zusatzdinge zu verkaufen. Das habe ich insgesamt in all den Jahren als sehr partnerschaftlich empfunden.“

Für initions und OPHEO sprach die hohe Kompetenz im Bereich der vollautomatisierten Dispositionsunterstützung und die Anbindung an WEBFLEET. Wichtige Schnittstellen – insbesondere während der Integration von OPHEO in die Betriebsabläufe – waren zudem die regionalen Vertriebspartner von TomTom Telematics: Die comuniverse GmbH und die Xplus1 GmbH. Sie arbeiten eng mit den Beteiligten auf allen Seiten zusammen, kennen Wünsche oder Bedenken und sind vor Ort erster persönlicher Ansprechpartner. Die Xplus1 GmbH sorgt unter anderem dafür, dass in den gemeinsamen Projekten WEBFLEET perfekt mit OPHEO zusammenspielt. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über technisches Detailwissen der Fahrzeuge, das initions selber nicht hat. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

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