27. Mai 2019

Digital und voll im Saft

Erst Digitalisieren, dann Auftrag: Nach diesem Rezept gelang der J. L. Dederich Spedition im Jahr 2016 eine wesentliche Umsatzsteigerung am Stammsitz Meckenheim. Der langjährige Transportkunde Eckes-Granini Deutschland wünschte sich damals, dass Dederich auch als Lagerdienstleister für den Saftproduzenten tätig wird.

Digitaler Austausch

Zu den Bedingungen zählte jedoch, dass der Spediteur über ein modernes Warehousemanagementsystem (WMS) mit SAP-Schnittstelle verfügt. Von Anfang an sollte der Datenaustausch für alle Ein- und Auslagerungen zwischen Eckes und Dederich ausschließlich digital erfolgen. Außerdem erwartete der Großverlader einen exakten Überblick über die Standorte aller Paletten mit Mindesthaltbarkeitsdaten und Chargennummern.

„Uns war sofort klar, dass wir zum Erfüllen der Anforderungen in eine neue Software investieren mussten,“ erinnert sich Ralph Walter, der bei Dederich unter anderem die Bereiche IT und Qualitätsmanagement verantwortet. Ihm schwebte eine Lösung vor, die nicht nur die Lagerverwaltung mit integrierter Scannung, sondern zugleich auch das Transportmanagement beherrscht. Sämtliche Auftrags- und Stammdaten aller Kunden sollten nur noch mit einem einzigen System verarbeitet, disponiert, abgerechnet und archiviert werden.

Auf der Suche nach einem passenden Softwareanbieter mit SAP-Know-how stieß Walter auf Weber Data Service und die Lösung DISPONENTplus. „Weber Data Service hat sich flexibel auf unsere Anforderungen eingestellt und konnte uns für jede Herausforderung eine passende Lösung präsentieren“, sagt Walter, der im Rahmen des Auswahlprozesses drei Anbieter unter die Lupe nahm. Nicht zuletzt habe ihn auch der persönliche Eindruck der Mitarbeiter von Weber Data Service überzeugt. „Man spürt, dass dort fast nur Spediteure mit Praxiserfahrung und IT-Wissen arbeiten“, so Walter.

Nahtloser Übergang

Bei der Einführung von DISPONENTplus konzentrierte sich Dederich zunächst auf das Modul für die Lagerverwaltung. Zu den größten Herausforderungen zählte dabei die Anbindung an das SAP-System von Eckes-Granini. Insgesamt mussten acht IDOC-Schnittstellen für verschiedene Im- und Export-Verfahren realisiert werden. Über die IDOC-Schnittstellen werden Auftrags- und Statusinformationen sowie Stammdaten übertragen. Dabei kam es dem Markenartikler darauf an, zu jeder Zeit den aktuellen Status der Waren im Lager von Dederich sehen zu können. Hinzu kam eine DATEV-Schnittstelle zum Anbinden der Buchhaltung. „Im Zuge der Realisierung haben sich die Spezialisten von Weber Data Service direkt mit unserem Kunden in Verbindung gesetzt, was uns viel Arbeit erspart hat“, berichtet Walter.

Durch die Integration in SAP werden jetzt die Auftragsdaten zu den bei Eckes-Granini produzierten Paletten nahtlos in die Lagerverwaltung von Dederich überspielt. „Ich kann jederzeit am Monitor sehen, welche Aufträge im Zulauf sind und welche Partien demnächst abgeholt werden und bereitzustellen sind“, erklärt Thomas Seidel, der das speziell für Eckes-Granini angemietete Palettenlager mit 5.200 Stellplätzen verantwortet.

Akkurat und schnell

Sobald die elektronisch avisierten LKW den Betriebshof von Dederich erreichen, werden zunächst die Auftragsdaten verglichen, bevor das Be- oder Entladen der mit Barcode versehenen Paletten beginnt. Dabei wird jeder Ladungsträger mit einem Handscanner erfasst und jeder Scan an die Lagerverwaltung und von dort an SAP übertragen. „Auf diese Weise kann ich in den Be- und Entladefortschritt Palette für Palette mit exakten Inhaltsangaben in Echtzeit am Monitor verfolgen“, berichtet Sachbearbeiterin Nicoline Ludwig, die den Zeitvorteil beim Be- und Entladen mit Hilfe des Scanners auf rund 40 Minuten pro LKW schätzt. „Ohne das System müssten wir jede Palette anhand von Papierlisten einzeln abhaken“, so Ludwig, die gemeinsam mit ihrem Kollegen rund 20 LKW pro Tag abfertigt.

DISPONENTplus sorgt bei Dederich aber nicht nur für akkurates und schnelles Be- und Entladen, sondern auch für eine exakte Chargenverfolgung mit integrierter Überwachung der Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD). Für jedes Produkt hat Eckes-Granini Restlaufzeiten definiert, die zwischen 90 und 360 Tagen variieren. Nach deren Unterschreitung müssen die betreffenden Paletten gesperrt und in einen abgetrennten Lagerbereich transportiert werden. Das WMS unterstützt diese Aufgabe mit Umlagerungsaufträgen und eindeutigen Hinweisen, die beim Sannen der betreffenden Barcodes auf dem Display der Handhelds erscheinen. Zeitgleich werden die automatisch generierten Sperrlisten von der Lagerverwaltung an SAP übertragen. „Eckes-Granini entscheidet dann über das weitere Vorgehen“, erklärt Seidel, der die Digitalisierung der Lagerprozesse nicht mehr missen möchte.

Transportmanagement folgt

Ein weiterer großer Vorteil entsteht beim Abrechnen der Lagerentgelte, das einmal wöchentlich per WMS angestoßen wird. Der Effizienzgewinn gegenüber der vorherigen Lösung mit Excel-Listen ist immens: Aufgrund des hohen Automatisierungsgrads und dem problemlosen Abgleich zwischen WMS und SAP spart sich Dederich pro Monat rund zwei Arbeitstage.

Ähnliche Effekte erwartet der Spediteur von der bis zum Sommer 2019 geplanten Einführung der Transportmanagement-Module. Dann werden auch die Transportaufträge mit DISPONENTplus verarbeitet und Dederich verfügt über durchgehend digitalisierte Prozesse zwischen Verlader, Lager und Empfänger – und das bei überschaubarem Aufwand. (Marcus Walter)

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