|  20. Februar 2018

Ein Job mit 1.000 Facetten

Der Disponent nimmt im Speditionsalltag eine wesentliche Rolle ein. Er ist das Bindeglied zwischen Kunde, Fuhrparkmanager und Fahrer. Bei ihm laufen alle Informationen zum jeweiligen Auftrag zusammen. Dabei hat sich das allgemeine Berufsbild in den vergangenen Jahren gewandelt.

Bereits vor zehn Jahren begann die Anhalt Logistics aus Rehm-Flehde-Bargen deshalb, die Aufgaben der Disponenten zu verteilen. Der Spezialist für Tanktransporte hat heute gleich drei Gruppen von Disponenten. Die erste Abteilung bildet die Schnittstelle zu den Kunden. Die zweite Gruppe übernimmt die komplette Planung der Touren und Tankauflieger. Und die dritte zeigt sich für die Sattelzugmaschinen und die Fahrer verantwortlich.

Gruppenarbeit in der Dispo
„Das Berufsbild hat sich derart gewandelt, dass wir zu solch einer Lösung greifen mussten. Der Arbeitsumfang für jeden Bereich ist enorm gestiegen“, erläutert Thies Anhalt, einer der Geschäftsführer des gleichnamigen Logistikdienstleisters. Immerhin haben die 20 Disponenten im Haus täglich 210 eigene LKW und 400 Tankcontainer zu bewegen. „Die Digitalisierung hat mittlerweile alle Bereiche erfasst. Daher gelingt es auch immer weniger, ehemalige Fahrer als Disponenten einzusetzen. Die Qualifikationen für den Beruf sind gewachsen“, sagt Anhalt.

Das gilt auch für Hellmann Worldwide Logistics, wo allein für die Straßentransporte 180 Disponenten verantwortlich sind. „Unser Anforderungsprofil an die Disponenten ist sehr differenziert. Dies richtet sich nach dem jeweiligen Kundengeschäft und dem zu disponierenden Zielland“, sagt René Stöcker, COO Road & Rail Germany Hellmann Worldwide Logistics. Im Unternehmen müssen die Disponenten auch zusätzliche Fähigkeiten wie Kommunikationsfähigkeit, Ideenreichtum und Entscheidungskompetenz besitzen. Wer bei Hellmann als Disponent beginnen möchte, benötigt zusätzlich spezifische Sprach- und Marktkenntnisse.

Das Profil macht deutlich, dass der Disponent heute ein umfassendes Arbeitsfeld bedienen muss. „Er ist eine der wichtigsten Ressourcen für den Unternehmenserfolg“, sagt Bernd Vögele. Der Geschäftsführer der Job-Matching-Plattform Birdiematch sieht den Disponenten künftig für eine Vielzahl erfolgsbestimmender Kriterien verantwortlich, die durch Digitalisierung ins Spiel kommen: Wie sieht es mit der Performance des Transportpartners aus? Sind die Kunden zufrieden? Stimmt die Lieferqualität? Und wie rechnet sich der Auftrag? Entscheidende Fragestellungen ließen sich durch die Vielzahl digitaler Daten und Informationen künftig noch gezielter bewerten: „Die Transportkette wird in hohem Maße transparent. Aufträge gewinnen Kontur, Dienstleister ein aktuelles Profil“, so Vögele. Niemand müsse künftig noch mit großen Unbekannten disponieren. „Doch erst die gezielte Analyse und Interpretation digitaler Informationsquellen machen daraus einen Gewinn für das Unternehmen“, ist Vögele überzeugt.

Das kann auch Anhalt bestätigen: „Unsere Disponenten wissen heute viel mehr Details über die logistischen Prozesse unserer Kunden als früher. Sie arbeiten häufig direkt auf deren Portalen“, sagt Anhalt. Die technischen Neuerungen haben zusätzlich noch einen schönen Nebeneffekt. Der Papierbedarf sinkt enorm. Das haben sowohl Hellmann als auch Anhalt festgestellt.

Dort, wo der Papierbedarf sinkt, bedarf es jedoch einer wachsenden IT-Kompetenz. Diese wird der Disponent nach Meinung von Vögele auch weiter vertiefen müssen, da er an der Schnittstelle von digitaler Welt und operativem Geschäft sitzt. Analytisches Verständnis wird so wichtig sein wie Organisationstalent. „Während der Administrationsaufwand durch automatisierte Prozesse sinkt, wächst der Aktionsradius: Die Digitalisierung macht den Disponenten zum Effizienzmanager“, betont Vögele. Das werde seine Funktion nochmals erheblich aufwerten und sein Jobprofil erweitern – und die Suche nach talentierten Disponenten garantiert nicht leichter machen, so der Marktexperte.

Unternehmer im Unternehmen
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der den Beruf noch komplexer werden lässt. Davon ist Gunnar Gburek, Unternehmenssprecher bei Timocom, überzeugt: „Der Disponent wird zum Unternehmer im Unternehmen. Zum Seismographen von Marktentwicklungen. Zum Verkäufer seiner Dienstleistung. Und die Digitalisierung unterstützt ihn dabei“, so Gburek, für den Digitalisierung das Tor zu einer mehrdimensionalen Informationswelt ist, die es dem Disponenten erlaube, Frachtaufträge nicht nur unter preislichen, sondern auch unter taktischen und strategischen Aspekten zu bewerten.

Die Zuordnung des genau passenden Fahrzeugs bezieht dabei eine Reihe von weiteren Faktoren ein, die nicht mehr mühselig recherchiert und erfasst werden müssen, sondern im eigenen System oder aus einer neutralen Transportplattform per Mausklick verfügbar sind. „Das schafft zeitliche Freiräume für Entscheidungen von unternehmerischer Tragweite“, ist Gburek sicher.

Einen eigenen Ausbildungsberuf zum Disponenten gibt es indes nicht. Zumeist starten die Disponenten mit einer Lehre zum Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen. Damit lassen sich nach Meinung von Anhalt die Grundlagen legen. „Im Laufe der Ausbildung tendieren die Auszubildenden zumeist in eine Richtung. Dann ist es unsere Aufgabe, das Fachwissen mit internen Schulungen zu vertiefen. Für eine allgemeine Ausbildung ist der Beruf des Disponenten einfach zu vielseitig“, sagt er. Was in der Ausbildung jedoch fehle, sei ein wenig mehr Kommunikations- und Verkaufstraining. Dies könne dabei helfen, mehr lukrative Aufträge abzuschließen.

Interne Fortbildungen
Auch Hellmann arbeitet mit einer internen Ausbildung. „Unsere Mitarbeiter, die im Bereich Disposition starten, werden mit einem umfassenden Entwicklungsprogramm für Nachwuchsdisponenten unterstützt“, sagt Stöcker. Hierbei werden sowohl Fach- und Systemwissen als auch persönliche Kompetenzen wie im Bereich der Kommunikation und Arbeitsorganisation gefördert. „Die aus der Digitalisierung resultierenden Veränderungen spielen dabei für die junge Generation eher eine untergeordnete Rolle“, beobachtet René Stöcker.

Wolfgang Lehmacher, Leiter Supply Chain and Transport Industries beim World Economic Forum stimmt dem Hellmann-Manager zu: „Den Digital Natives sollte dies nicht nur leichtfallen, sondern auch professionelle Freude bereiten.“

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