|  08. Mai 2018

Fahrermangel: Road Heroes will auch Azubis vermitteln

Das erst vor wenigen Monaten eröffnete Jobportal Road Heroes hat seinen Geschäftsansatz ausgeweitet. Die Idee: Über die Plattform nicht nur LKW-Fahrer, sondern vor allem auch potenzielle Auszubildende an Transportfirmen zu vermitteln. In einer ersten Werbeaktion in sozialen Netzwerken sei es gelungen, sofort 35 potenzielle Azubis mit echtem Interesse am Fahrerjob zu akquirieren, teilte Pascal Kremp der DVZ mit. Der Kopf hinter Road Heroes ist Inhaber der Digital-Marketing-Agentur Pinetco mit Sitz in Wuppertal.

Unklar ist, ob die Interessenten den Job vor der Aktion noch nicht ins Auge gefasst hatten – nur dann wäre die Strategie geeignet, dem Fahrermangel zu begegnen. Denn eines habe Kremp festgestellt: Die Branche habe massive Defizite in Sachen Marketing und Vertrieb. „Personalgewinnung ist heute als Vertriebsprozess anzusehen“, sagt er. „Wir coachen Disponenten und Personaler, wie man am Telefon einen guten Job macht, um Fahrer vom eigenen Unternehmen zu begeistern.“

Die aktuell 210 Firmen, mit denen Road Heroes vernetzt ist, zeigten großes Interesse und hätten mitunter sogar Budget freigegeben für die Azubi-Vermittlung. Kremp verlangt in der Testphase 100 EUR pro Kontaktdatensatz – erfolgsunabhängig.

Der Logistikbranche fehlen nach Angaben des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV) allein in Deutschland bis zu 45.000 Fahrzeugführer – Tendenz steigend. Schon heute stehen den schätzungsweise 30.000 LKW-Fahrern, die in Deutschland jährlich aus dem Beruf scheiden, nur 16.000 neue gegenüber.

Inoffizielles Arbeitsdokument aus der Industrie
„Ein zentrales Hemmnis für junge Menschen, den Beruf des Kraftfahrers zu erlernen, besteht in den ungünstig gelegenen möglichen Zeitpunkten für einen Einstieg in die Branche“, heißt in einem inoffiziellen Arbeitsdokument (Non-Paper) zum Fahrermangel aus Industriekreisen, das der DVZ vorliegt. Hintergrund: Wer sich im Alter von 16 Jahren für den Beginn der Ausbildung entscheidet, darf erst zwei Jahre später einen LKW fahren. In der Kraftfahrer-Studie der ZF Friedrichshafen AG von 2014 gaben rund drei Viertel der Auszubildenden den „Spaß am Fahren“ als einen Grund für ihre Berufswahl an. „Dies lässt erahnen, wie viele Interessierte durch die lange Zeit im ‚Trockendock‘ abgeschreckt werden“, heißt es in dem fünfseitigen Non-Paper weiter.

Die beschleunigte Grundqualifikation, also die der vereinfachte Ausbildung für den gewerblichen Güterkraftverkehr, mit IHK-Prüfung dagegen kann frühestens im Alter von 21 Jahren absolviert werden. Zu diesem Zeitpunkt jedoch hätten junge Menschen die Weichen bei der Berufswahl in aller Regel längst getroffen.

Traditionelle Ausbildung verkürzen
Als mögliche Maßnahmen sind in dem Non-Paper deshalb das Ermöglichen des begleiteten Fahrens ab 17 Jahren sowie das Herabsetzen des Mindestalters für die beschleunigte Grundqualifikation aufgeführt. Die standardisierten schriftlichen Prüfungsfragen sollten zudem in einfachem Deutsch verfasst sein, „um die Hürden für Nicht-Muttersprachler nicht unnötig hoch zu setzen“, heißt es weiter.

Darüber hinaus könnten durch das Verkürzen der traditionellen Ausbildung von drei auf zwei Jahre mehr Berufseinsteiger gewonnen werden. „Da nicht alle Fahrer in ihrer späteren Berufspraxis alle in der Ausbildung enthaltenen Qualifikationen, zum Beispiel für Gefahrgut, benötigen, scheint es überlegenswert, ob einzelne Bestandteile der Ausbildung ausgegliedert und stattdessen modular als Zusatzausbildung angeboten werden können“, lautet das Argument.

Rekrutierung von Nicht-EU-Ausländern erleichtern
Zudem müsse die Gewinnung von Arbeitskräften aus dem Nicht-EU-Ausland erleichtert werden: „Um für ausländische Berufskraftfahrer den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu verbessern, sollte die Bundesagentur für Arbeit die Aufnahme des Berufsbildes in die Positivliste der Mangelberufe prüfen. Die hohen bürokratischen Hürden zur Anerkennung ausländischer Fahrerlaubnisscheine sollten abgebaut werden“, heißt eine weitere Forderung.

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