|  20. Februar 2018

Logistik-Start-ups verändern die Dispo-Welt

Rund drei Viertel der Logistikunternehmen sehen laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom die Digitalisierung als große Herausforderung. Doch wie kann Digitalisierung als Chance im Alltag konkret aussehen? Fakt ist, dass Logistik-Start-ups frischen Wind in die Branche bringen. Das klassische Berufsbild des Disponenten und sein Arbeitsumfeld verändern sich. Der Anwendungsfall einer Spedition in Bayern verdeutlicht, welchen Wandel die Branche durchläuft.

Loadfox unterstützt Ladungsvergabe
Das Münchner Start-up Loadfox, das sich selbst gern als Mitfahrzentrale für Fracht beschreibt, hat eine Onlineplattform für ein bekanntes Problem der Logistik entwickelt: ungenutzte LKW-Kapazitäten. Ein intelligenter Algorithmus schlägt Disponenten Ladungskombinationen vor. Gleichzeitig bietet die Plattform die Chance, in Zeiten der Laderaumknappheit, ein zuverlässiges Frachtführer-Netzwerk aufzubauen. „Seit Ende 2017 gibt es die Möglichkeit, Loadfox exklusiv innerhalb seines vertrauten Netzwerks zu nutzen, quasi als Netzwerk im Netzwerk“, berichtet Maximilian Rabl, CEO von Loadfox. Zusätzlich können User weiterhin für alle Partner sichtbar Ladungen einstellen, weitergeben oder Touren buchen. „Wir unterstützen somit die Ladungsvergabe innerhalb einer solchen Gruppe, bestehend aus Gebietsspeditionen eines großen deutschen OEMs“, erklärt Rabl.

Weiterbildung das A und O
Die Rudolph Logistik Gruppe (Baunatal) gehört zu den ersten Anwendern der neuen Gruppenfunktion bei Loadfox. Der Fokus des seit 1946 existierenden Logistikdienstleisters liegt dabei auf den Geschäftsfeldern Automotive, Systemverkehre, Industrie und Handelslogistik. Die Disponentin Alice Schurr hat vor vier Jahren als kaufmännische Angestellte bei der Rudolph Logistik Gruppe in Ingolstadt begonnen, einer von 40 Standorten der Spedition. Seit vergangenem Jahr stellt sie sich in der Disposition des Unternehmens den neuen Entwicklungen der Branche. „Ich wollte mich weiterbilden, auch um die Zusammenhänge in der Logistikbranche besser zu verstehen.“ An ihrer neuen Position reizt sie besonders, dass keine Langeweile aufkommt und jeder Tag andere Herausforderungen bringt. Mittlerweile verantwortet die 25-Jährige in dieser Funktion den Fernverkehrsbereich. Immer häufiger bucht sie dabei auch Ladung über die Loadfox-Plattform. Oder sie bietet anderen Speditionen Laderaum an.

„Je nach Wirtschaftslage ist der Laderaummangel wirklich gravierend“, klagt Alice Schur. „Man hat Ladungen, aber nicht ausreichend LKW zur Verfügung. Dann ist es immer etwas kniffelig, die avisierten Transporte noch rechtzeitig in die Werke zu bekommen.“ Ein weit verbreitetes Problem in der Transportbranche. Zuletzt hatte auch der Deutsche Speditions- und Logistikverband e. V. (DSLV) auf seinem Unternehmertag Mitte November 2017 vor dem Laderaummangel und seinen Auswirkungen gewarnt. Maximilian Rabl kann das ebenfalls bestätigen. „Es ist der wiederkehrende Laderaummangel, der die Logistiker veranlasst, nach neuen Lösungen zu suchen.“ In dieser Situation unterstütze und entlaste Loadfox die Disponenten in ihrer täglichen Arbeit, sagt der CEO.

Alice Schurr ist zufrieden: „Die Automotive-Gruppe, in der wir bei Loadfox aktiv sind, hat uns jetzt schon einige Male Ladungen verschafft und damit unsere Leergutdisposition vereinfacht. Aber wir haben auch schon Laderaum für Transporte bekommen, die wir sonst nicht hätten durchführen können“, so die junge Disponentin. An der Gruppenfunktion schätzt sie besonders, dass alle daran beteiligten Speditionen die Anforderungen und organisatorischen Abläufe für die Belieferung der Automobilbranche schon kennen und darauf spezialisiert sind.

Berufsbild des Disponenten im Wandel
Anwendungen wie Loadfox können die Auswirkungen des Fahrermangels mildern, doch sie ändern nichts an dessen Ursachen. Bei der Rudolph Logistik Gruppe setzt man deshalb neben digitalen Lösungen auch auf den Ausbau der eigenen Strukturen. Dafür braucht es neues Personal. Das Berufsbild des Disponenten verändert sich. Die Logistikbranche verliert nur langsam ihren Status als Männerdomäne. „Ich habe aber das Gefühl, dass es nach und nach immer mehr Frauen in der Disposition gibt“, sagt Alice Schurr, die selbst als Beispiel für den Wandel steht. Das findet sie gut und deshalb hat sie auch einen einfachen Tipp für andere junge Frauen, die den Berufseinstieg in der Logistik bisher noch nicht gewagt haben. „Seid mutig, traut euch einfach!“

Digitale Transformation hautnah
Dass sich das Berufsbild verändert, freut auch Klaus Günsche, Geschäftsbereichsleiter Spedition bei der Rudolph Logistik Gruppe. In seinen über 40 Berufsjahren im Unternehmen hat er schon vieles miterlebt. Der Digitalisierung steht er offen gegenüber. „Es ist einfach zeitgemäß, dem kann man sich gar nicht verschließen“, sagt der Logistiker. Die digitale Transformation im Unternehmen, hat er hautnah miterlebt. „Ohne den digitalen Wandel könnte man dem Arbeitspensum und Termindruck heute gar nicht mehr Herr werden. Erst haben die E-Mails das Fax abgelöst, und jetzt kommen die Web-Anwendungen und Apps“, beobachtet Günsche.

Maximilian Rabl ist derweil begeistert über die Offenheit, die Loadfox entgegengebracht wird. „Wer auf lange Sicht erfolgreich bleiben möchte, kommt um digitale Lösungen nicht herum“, prophezeit er. Nicht zuletzt könne ein offener Umgang mit digitalen Anwendungen auch junge Menschen motivieren, ihren Berufseinstieg in die Logistikbranche zu wählen, ist Rabl überzeugt. 

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