|  26. Februar 2019

Punktgenau disponieren – in Echtzeit

Zeit ist die härteste Währung in der Logistik. Kunden zahlen für Pünktlichkeit. Sie messen die Qualität logistischer Dienstleistungen an der Verlässlichkeit von Informationen und Voraussagen. Wann wird die Sendung beim Kunden eintreffen? Gibt es Verzögerungen in der Lieferkette? Wie wirken sich Streik, Staus und Wetter auf die Laufzeit aus?

Wer an dieser Stelle mit großen Unbekannten disponiert, wird dafür unter Umständen teuer bezahlen müssen. Was in der Projektspedition oder für einen Automobilzulieferer schnell in die Hunderttausende gehen kann, kostet auch an der Rampe Nerven, Marge und Kundenzufriedenheit. Doch lässt sich der Faktor Zeit in der Disposition überhaupt beherrschen? Und wie können Unwägbarkeiten im Verlauf der Supply Chain rechtzeitig erkannt und berücksichtigt werden?

Je transparenter die Lieferkette und ihre zeitbestimmenden Faktoren vor dem Disponenten liegen, umso genauer kann dieser Aussagen über die tatsächliche Ankunftszeit treffen. Die sogenannte End-to-End Supply Chain Visibility, also die durchgängige Transparenz über die gesamte Lieferkette hinweg, verbessert die Planbarkeit der Prozesse erheblich – und sie macht Planung im Grunde erst möglich.

Control Tower bringt den Überblick

Die notwendige Grundlage dafür liefern Echtzeitdaten und Prognosen. Diese lassen sich gewinnen, wenn alle Daten und Informationen der logistischen Prozesskette in einer Zentralstelle zusammenfließen, an der sie gebündelt, analysiert und kontrolliert werden. Dafür braucht es eine übergeordnete Instanz für das Management und die Disposition logistischer Netzwerke: den Control Tower.

Der Control Tower ist ein cloudbasiertes Instrument, mit dem der Disponent jedes Ereignis, das möglicherweise Einfluss auf Terminverbindlichkeiten oder die Sendungsqualität nehmen könnte, auf dem Schirm hat. Noch wichtiger: Durch den automatischen Abgleich von Soll- und Ist-Daten zeigt der Control Tower auf jedem Meter der Lieferkette in Echtzeit auf, ob die Sendung im Plan ist, ob sich Lieferverzögerungen ergeben und wie sich diese gegebenenfalls auf den tatsächlichen – nicht den voraussichtlichen – Ankunftstermin auswirken.

Was also leistet der Control Tower für die operative Steuerung logistischer Dispositionsprozesse? Hier einige zentrale Funktionen:

  • Der Control Tower liefert konsistente und qualitativ hochwertige Informationen zum Anliefertermin. Durch Validierungen werden Fehler vom System erkannt und frühzeitig abgefangen.
  • Ein Echtzeit-Cockpit bildet alle relevanten Informationen und Kennzahlen ab. So ist es möglich, drohende Abweichungen oder Störungen in der Lieferkette auf einen Blick zu erfassen.
  • Interaktive Dashboards mit tagesaktuellen Daten bringen alles auf den Schirm.
  • Das Supply Chain Event Management erzeugt automatische Benachrichtigungen bei Abweichungen vom ursprünglich geplanten Liefertermin. Darüber hinaus liefert ein solches System unterstützende Funktionen zur schnellen Entscheidungsfindung bei unvorhergesehenen Ereignissen inklusive „Ad-hoc-Simulation“, zum Beispiel:
  • Vorschläge für alternative Routen im Falle von gesperrten Strecken, etwa aufgrund von Unwetter oder Streik
  • Auswirkungen dieser Änderungen hinsichtlich Lieferzeit und Kosten
  • Und: Innerhalb vordefinierter Grenzen können solche „Entscheidungen“ sogar eigenständig durch das System getroffen werden

Operative Erkenntnisgewinne

Eine vollständige und valide Datenbasis auf der operativen Funktionsebene des Control Towers ist auch für langfristige Planungen relevant. Denn mit Hilfe leistungsfähiger Analyse-Tools können wichtige Erfolgsfaktoren wie Transportkosten, Lieferqualität oder die Performance von Dienstleistern dezidiert analysiert und bewertet werden. Somit lassen sich strategische Entscheidungen auf Basis operativer Erkenntnisgewinne absichern.

Dabei generiert das System des Control Towers keinesfalls Zahlenfriedhöfe. Erfolgskritische Kennzahlen werden zusammengeführt und so übersichtlich visualisiert, dass Korrelationen sofort zu erkennen sind. Ein Beispiel: Führt die Kombination aus Transportdienstleister und Serviceart bei einem Kunden (in einer Region) immer zu schlechten Ergebnissen (Lieferqualität), wird das über die visuelle Darstellung der dienstleisterbezogenen Performancekurve auf einen Blick sichtbar. Jeder Betrachtungszeitraum lässt sich flexibel bestimmen, so dass auch zeitweilige Ausreißer bei der Lieferqualität erfasst und abgebildet werden. An dieser Stelle kann der Disponent entscheiden, ob er den Transportdienstleister oder die Serviceart wechselt, um das Problem abzustellen. Oder beides.

Uwe Schumacher ist Vice President Business Development bei Siemens Digital Logistics

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