|  03. April 2018

Wenn Kollege Computer disponiert

An Trivago kommen Reisende, welche in gut erreichbaren Hotels möglichst günstig übernachten wollen, kaum vorbei. Die Meta-Suchmaschinen bildet auf Stadtplänen und Landkarten ihre Übernachtungsvorschläge ab und listet Preise und User-Bewertungen auf. Genau dieses Konzept diente Spedition Quehenberger als Vorbild für die neue Disponentenlösung Translogica. Die vom Innsbrucker IT - Unternehmen InfPro entwickelte Software bildet ebenfalls Teil- und Komplettladungen sowie freie Fahrzeuge auf Karten ab und zeigt Fahrtkosten, Leerkilometer und andere Parameter an. „Wir wollen die Disponenten bei der kostenoptimalen Ladungsvergabe und Fahrzeugauswahl unterstützen“, sagt Thomas Kogler, Produktmanager des österreichischen Logistikunternehmens. Vor allem neue Mitarbeiter können sich mit diesem teilautomatischen Tool besser und schneller einarbeiten. Ausdrücklich betont Kogler jedoch, dass die Disponenten den Translogica-Vorschlägen nicht unbedingt folgen müssen. „Wenn ihrer Erfahrung nach bestimmte Fahrzeuge oder Fahrer besonders geeignet sind, können sie diesen die Ladung auch bei höheren Kosten zuteilen“, sagt der Logistiker.

Die Digitalisierung macht vor nichts halt - also auch nicht vor der Disposition. Mit neuen Tools will Quehenberger Fehldispositionen und Leerkilometer vermeiden und die über 100 Disponenten zu kostensparenden Lösungen motivieren. „Außerdem wollen wir neue Mitarbeiter schneller einarbeiten“, ergänzt Kogler. Jedes Jahr akquiriert der österreichische Logistikriese Berufseinsteiger, die gerade die Handelsakademien und andere weiterführenden Schulen absolviert haben und keine Branchenerfahrung aufweisen.

Gleichzeitig müssen langjährige Mitarbeiter ihr Wissen aktualisieren und sich in neue IT-Systeme einarbeiten. Jeder Disponent wird deshalb angehalten, auf der Weiterbildungsplattform Spedifort Kurse mit Fachinhalten zu belegen. Rund 50 Mitarbeiter aus 16 Ländern haben das mehrsprachige Angebot der INN-ovativ KG, Kiefersfelden, bereits genutzt und Kogler vom Nutzen des E-Learning überzeugt. „Mit spannend gemachten Inhalten gewinnen die Mitarbeiter schnell Spaß am Lernen“, hat der Quehenberger-Manager beobachtet. Solche Effekte können mit unternehmensspezifischen Inhalten, welche auch Mehrwertdienstleistungen oder Luft- und Seefracht zum Gegenstand haben, verstärkt werden.

Genau diesen Weg ist Fercam Austria gegangen und führt angehende Disponenten auch in die Unternehmenshistorie ein. „Weil jeder Teilnehmer mit diesem modernen Tool zu jedem gewünschten Zeitpunkt lernen kann, wird er in der Disposition schnell Fuß fassen und sich mit dem Arbeitgeber identifizieren“, sagt Christian Jarnig, Geschäftsführer von Fercam Austria. Andere Unternehmen wollen mit E-Learning Geld sparen, weil der Mitarbeiter am Arbeitsplatz oder zu Hause lernt und nicht zu Auswärtsterminen anreisen muss.

Auch Quehenberger plant mit INN-ovativ eine Plattform mit unternehmensspezifischen Inhalten. Auf dieser werden die Mitarbeiter vermutlich auch in das neue Tool LBase eingeführt, das innerösterreichische Stückgut- und Expresstouren automatisch disponiert. Die Software teilt die Ladungen den Lkws abhängig von Fahrzeugtyp, Destinationen und Zustellrestriktionen zu, der Mitarbeiter muss die vorgeschlagene Lösung lediglich auf Plausibilität prüfen und gegebenenfalls optimieren. Für Wien, Oberösterreich und die Steiermark gab es bereits das Roll-Out; jetzt werden auch die übrigen österreichischen Bundesländer angeschlossen. Von einem „Paradigmenwechsel für die Disposition“ spricht Produktmanager Kogler. „Viele Mitarbeiter waren es gewohnt, ihren Erfahrungen zu folgen“, räumt der Logistiker Umstellungsprobleme ein. „Jetzt müssen sie mit der Software den Anforderungen der Kunden Rechnung tragen.“

Allerdings erfasst auch LBase noch nicht jede Information. Wenn das Wetter, Staus, Straßenbauarbeiten oder auch Sonderwünsche des Fahrers veränderte Entladungssequenzen nahelegen, wird der Disponent weiterhin eingreifen. Vor allem bei Neukunden rechnet Kogler mit Interventionen. „In der Startphase sind selten alle wichtigen Daten abgespeichert“, setzt der Logistiker auf selbstlernende Prozesse. Grundsätzlich werden die Disponenten jedoch angehalten, den Empfehlungen der Software zu folgen. „Wir wünschen zufriedenere Kunden und bessere Mitarbeiter“, betont Kogler.

Konkrete Kostenreduzierungen können die Quehenberger-Logistiker zwar noch nicht nennen. Aber sie haben bereits das nächste Ziel vor Augen. „Auch die Subunternehmer inklusive ihrer Telematik sollen in unsere Lösungen eingebunden werden“, formuliert Kogler. Wenn die Frächter unterwegs auf Frachtenbörsen zusätzliche Ladungen akquirieren, möchte Quehenberger über mögliche Routenabweichungen sofort informiert werden. Und mit LBase weitere Optimierungen der laufenden Tour vornehmen.

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