28. Juni 2018

Aus Stack wird Brock

Das britische Verkehrsministerium hat rechtzeitig für den Brexit eine neue Lösung für LKW-Staus bei der Zufahrt zum Hafen Dover, dem Nadelöhr für den Verkehr zum Kontinent angekündigt. Ab Anfang kommenden Jahres kommt in diesen Fällen die „Operation Brock“ zum Einsatz. Dabei wird eine Fahrtrichtung der Autobahn M20, der Verbindung von London Richtung Dover, abschnittsweise komplett geschlossen, um sie als Parkbereich für LKW bei der Zufahrt zu Fähre und Channel-Tunnel zu nutzen. Btroffen ist der gut 20 Kilometer lange Abschnitt der Autobahn zwischen Maidstone und Ashford. Auf der Gegenfahrbahn in Richtung London soll der Verkehr dann auf jeweils zwei Spuren in beide Richtungen fließen.

„Operation Brock“ löst die bisher bei erheblichen Zufahrtsproblemen gültige „Operation Stack“ ab, bei der ein oder zwei Spuren bei der Anfahrt zum Hafen und dem Channel-Tunnel quasi als Parkplatz für Laster genutzt werden. Zum Einsatz kam das Modell zum Beispiel im Sommer 2015, als Streiks und die Flüchtlingskrise in Calais zu bis zu 50 Kilometer Rückstau ins Landesinnere geführt hatten.

Die neue Regelung stehe nicht im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, betonten Vertreter des Ministeriums. Eine Überarbeitung des Vorgehens sei ohnehin nötig geworden. Operation Brock startet aber rechtzeitig zum Abschied Großbritanniens aus der EU Ende März 2019. Bis heute ist offen, wie die Handelsbeziehungen zwischen der Union und der britischen Insel künftig geregelt werden. Angesichts der britischen Entschlossenheit weder dem Binnenmarkt noch der Zollunion weiter anzugehören, gilt es jedoch als wahrscheinlich, dass beim Grenzübertritt in Zukunft Kontrollen notwendig werden. Sie könnten insbesondere in Dover zu erheblichen Verzögerungen und damit Staus führen.

2,6 Millionen Laster hat der Hafen Dover im vergangenen Jahr abgefertigt, weitere rund 1,5 Millionen sind durch den Tunnel gekommen. Als Alternative zur Nutzung der Zufahrtsstraßen zieht das Ministerium auch den Bau von Parkplätzen in der Grafschaft Kent in Betracht, ist bisher aber auf erbitterten Widerstand der Anwohner in dem ländlichen Gebiet gestoßen.

Nun werden mit Investitionen von 25 Mio. Pfund (28,5 Mio. €) die nötigen Vorkehrungen für eine mögliche Teilsperrung der M20 getroffen. Dazu zählen die Anschaffung von mehreren Tausend Verkehrskegeln genauso wie der Ausbau der Standstreifen.

In der Transportbranche wird das neue Modell mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Als „guten Kompromiss“ und „Schritt in die richtige Richtung“ bezeichneten es Vertreter des Branchenverbandes Freight Transport Association. Die Road Haulage Association, die noch stärker auf Straßentransporte zielt, ist dagegen deutlich skeptischer. Von „einem Tropfen auf dem heißen Stein“ sprechen ihre Vertreter und interpretieren den Vorstoß als Hinweis, dass die rasche Abfertigung an der Grenze nach dem Brexit ernsthaft in Gefahr sei.

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