|  02. Februar 2018

Das Raben-Stückgutnetz steht

Rund zwölf Jahre nach dem Einstieg in den deutschen Stückgutmarkt steht es: Das eigene, unabhängige Netz der Raben Group. Seit Anfang dieses Jahres arbeitet das Unternehmen völlig außerhalb jeglicher Kooperationsverpflichtungen. „Wir transportieren nun ausschließlich Sendungen unserer eigenen Kunden und können unser Netz selbstständig innerhalb unserer eigenen Infrastruktur steuern“, freut sich Deutschland-Chef Daniel Rösch über eine verringerte Komplexität.

Das Netz besteht aus 29 eigenen Niederlassungen sowie etwa 10 festen Partnern. Alle Häuser sind mit dem Raben-Hub in Eisenach verbunden. Hinzu kommen so viele Direktverkehre wie möglich, „aber das ist eine Frage der Auslastung“, weiß Rösch. Derzeit werden 400 bis 500 Linienverkehre pro Nacht betrieben. Rund 95 Prozent des Aufkommens werden in Direktverkehren disponiert, der Rest geht über das Hub. Über das Hub und das Gateway Nürnberg wird die direkte Anbindung an die verschiedenen nord- und südosteuropäischen Raben-Netze gewährleistet.

Unter den Partnern sind durchaus namhafte Speditionen, deutet der Deutschland-Chef an, ohne sie konkret zu nennen. Diese arbeiten im Rahmen der von Raben vorgegebenen Leistungsversprechen und Prozesse. „Wir haben keine Systembrüche und lassen uns daher auch in diesen Produktionsgebieten an unseren Leistungsversprechen messen.“

Bei den Partnerschaften geht es nicht nur um die reine Verteilung und Beschaffungslogistik, sondern auch um bilaterale Verkehre, über die Partner Ladung in das Raben-Netz einspeisen.

Mit den Partnern wurden langfristige Verträge geschlossen, „die wir erfüllen“, verspricht er. Nachdem Raben in den vergangenen Jahren verschiedene Speditionsunternehmen und Niederlassungen gezielt erworben hat, „beschäftigen wir uns derzeit auch nicht mit weiteren Zukäufen“.

Das Netz und den Linienfahrplan steuert Raben zentral. „Darüber hinaus agieren unsere Niederlassungen als eigenständige Unternehmen vor Ort und sind für ihre Gewinne und Verluste in vollem Umfang verantwortlich. Dazu gehört natürlich der Einkauf des Laderaums, aber auch die optimale Verkehrsführung und vor allem die Auslastung“, stellt Rösch klar.

Nahverkehr wird ausgebaut
Den Eindruck, dass vor allem osteuropäische LKW für Raben auch innerdeutsch unterwegs sind, weist er zurück. Diese seien auf den grenzüberschreitenden Linien unterwegs, national „setzen wir deutsche LKW ein“. Dabei kann Raben auf den Fuhrpark der Tochter Raben Trucking zurückgreifen, die deutschlandweit rund 400 Einheiten verschiedener Größen vorhält. Der Nahverkehr indes wird weitgehend mit Dienstleistern abgewickelt. „Wir bauen jedoch gerade sukzessive eigene Nahverkehrskapazitäten auf“, deutet Rösch an. Dabei sei dies weniger eine Reaktion auf die aktuelle Situation auf dem Nahverkehrsmarkt, sondern diene dazu, die eigene Qualität besser sicherzustellen.

Das Leistungsversprechen beinhaltet die im nationalen Stückgutgeschäft gängigen Produkte Classic Line und Premium Line. Sie versprechen jeweils eine 99-prozentige Zustellung innerhalb von 48 Stunden (Classic Line) und 24 Stunden (Premium Line).

Qualitätsschub erwartet
Stichwort Qualität: Hier soll es in den vergangenen Monaten durchaus Probleme innerhalb der Raben-Organisation gegeben haben, heißt es im Markt. Rösch wiegelt ab: „Unsere Standorte, die nicht in Kooperationen eingebunden waren, haben unsere Qualitätsanforderungen alle erfüllt. Dies war bei Niederlassungen, in denen wir 2017 auch Fremdmengen aus den Kooperationsnetzen zustellen mussten, nicht durchgängig der Fall. Das ändert sich 2018, da uns fremde Mengen in unseren Prozessen nicht mehr blockieren werden.“

Ziel ist es, täglich 25.000 Sendungen im Netz zu bewegen. Davon ist Raben noch ein gutes Stück entfernt. Auch die eigentlich für den Systemstart Anfang 2018 anvisierten 20.000 bis 22.000 Sendungen „haben wir noch nicht ganz erreicht“.

Die 25.000 Sendungen pro Tag will Rösch aber innerhalb von 24 Monaten im Netz haben. Etwa über den Preis? „Nein, das wollen wir über eine gute Qualität, die Einhaltung von Leistungsversprechen und Transparenz schaffen.“ Um dies zu gewährleisten, setzt er im Gegenteil auf eine „wirtschaftliche Preisgestaltung der Sendungen“, denn nur dann „können wir auch eine ordentliche Leistung bieten“. Punkten will er gegenüber den Kunden zudem mit schnellen und flexiblen Entscheidungen und indem auf deren individuelle Erwartungen eingegangen wird.

Effizienter durch Alleingang
Und die Wirtschaftlichkeit? Bekanntlich hat die deutsche Raben-Organisation in den vergangenen Jahren in der Regel zweistellige Millionendefizite ausweisen müssen. „Der Austritt aus den Kooperationen ist ein zentraler Baustein für uns, das nationale Stückgutgeschäft wirtschaftlich betreiben zu können“, entgegnet Rösch. Denn durch die geringere Komplexität könnte das eigengesteuerte Netz wesentlich effizienter und wirtschaftlicher betrieben werden. Allein die Kapazitätsplanung sowohl in den Hauptläufen und den Nahverkehren könne wesentlich besser gesteuert werden. „Hier erhalten wir einen riesigen Schub.“

Folglich sehe das interne Budget für 2018 auch vor, „am Scheideweg der Profitabilität zu landen“, drückt sich der Manager sibyllinisch aus. Konkrete Zahlen will er nicht nennen, die letzte bisher veröffentlichte Bilanz weist für 2015 ein Minus von 15,6 Mio. EUR aus. Die Ergebnisse müssten aber auch unter dem Eindruck der immensen Investitionen, die Rösch ebenfalls nicht genauer beziffern will, gesehen werden. Und: Sowohl die Kontraktlogistikaktivitäten als auch die internationalen Stückgutverkehre seien profitabel, betont er, ohne zu verkennen, dass das nationale Stückgut unverändert der Schwerpunkt ist.

Alle Zukäufe der vergangenen Jahre seien operativ bereits voll integriert – produktionstechnisch, aber auch hinsichtlich des finanziellen Berichtswesens, unterstreicht Rösch. Die Integration der Mitarbeiter der neu erworbenen Unternehmen „ist sehr gut gelaufen, auch wenn das eine der größten Herausforderungen war“, unterstreicht Rösch. Auch wenn noch nicht alle Unternehmen umbenannt wurden, werden sie aber letztlich unter der Marke Raben firmieren.

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