05. November 2018

Hamburger Hafen will wieder an Antwerpen vorbeiziehen

Hamburg hat wieder Oberwasser. Nachdem erst in der vergangenen Woche der Startschuss für die Elbvertiefung fiel, wodurch die seeseitige Erreichbarkeit des Hafens deutlich verbessert werden soll, wurden gestern zwei Kooperationsabkommen zum Ausbau der Schienenverbindungen in Richtung Russland unterzeichnet. Zentraler Partner ist dabei Transcontainer, der größte KV-Anbieter beziehungsweise Schienenlogistiker des Landes. Das Unternehmen, an dem die russische Staatsbahn RZD noch zu 50 Prozent beteiligt ist, ist der Hamburger Vermarktungsorganisation Hafen Hamburg Marketing beigetreten und wird künftig noch enger mit der Metrans zusammenarbeiten.

Die Details der Kooperationen sollen bis Jahresende ausgearbeitet werden. Die Vereinbarung von Transcontainer und Metrans zielt aber im Kern darauf ab, die Netze der beiden Unternehmen miteinander zu verknüpfen, sagte Metrans-Chef Peter Kiss bei einem exklusiven Pressegespräch mit der DVZ. Die beiden Unternehmen würden zwar schon seit Jahren gemeinsam Transporte in Osteuropa, Russland und bis nach China anbieten. „Die Vereinbarung gibt uns aber die Möglichkeit, die Transporte weiterzuentwickeln“, so der Geschäftsführer. Denkbar ist beispielsweise, dass die Partner die Assets des jeweils anderen nutzen. Transcontainer verfügt über eine Flotte von gut 24.000 Waggons, 67.000 Container und betreibt zudem ein Netz von 42 Umschlagterminals, eines davon im slowakischen Dobra, was auch von der Metrans angebunden wird. Die HHLA-Tochter wiederum ist im osteuropäischen Hinterland mit fünf Terminals vertreten.

Transcontainer arbeitet an ausgewogenen Containerströmen

Von dem Beitritt zu Hafen Hamburg Marketing (HHM) erhofft sich Transcontainer vor allem, seine Aktivitäten in Europa ausbauen zu können. Dort ist das Unternehmen seit 11 Jahren tätig und hat beispielsweise Verkaufsbüros in Wien, Berlin und Frankfurt. Für die weitere Entwicklung der Schienenverkehre zwischen Asien und Europa sei es vor allem wichtig, die Containerströme ausgewogener zu gestalten, sagte der für die Region zuständige Transcontainer-Manager Pavel Shanaytsa. Derzeit würden zwei Zügen aus Asien nur einer aus Europa gegenüberstehen. „Wir möchten mit Hilfe von HHM daher noch besser Kunden in Europa ansprechen“, unterstrich der Manager.

Wirtschaftsstaatsrat Torsten Sevecke bezeichnete die beiden Abkommen als weiteren Baustein der Hamburger Außenwirtschaftspolitik. Die Strategie des Senats beinhalte ausdrücklich das Vorhaben, wieder der zweitgrößte Containerumschlagplatz in Europa zu werden und damit wieder an Antwerpen vorbeizuziehen. Und um dieses Ziel zu erreichen, sind die Russlandverkehre für Hamburg von besonderer Bedeutung. „Unsere Wirtschaftskraft hängt davon ab, dass wir Warendrehscheibe von und nach Osteuropa sowie Russland bleiben“, so Sevecke. Von der Vereinbarung mit Transcontainer erhofft er sich indes nicht nur eine Zunahme der Containerverkehre, sondern auch jene von Bulk-Gütern wie beispielsweise Getreide.

Während Hamburg also nach Osten schaut, blickt Transcontainer in Richtung Westen, wie CEO Vyacheslav Saraev unterstrich. "Unsere Strategie ist, über Russland hinaus neue Märkte zu erschließen", so der Manager. "Der Hamburger Hafen ist dabei der wichtigste Punkt überhaupt für unsere künftige Entwicklung." (sr)

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