18. Juli 2018

Neuss wird „Mega-Hub“ bei Contargo

Das trimodale Containerterminal der Contargo in Neuss wird zum zentralen Hub der Gruppe entlang der Rheinschiene aufgewertet. Neben der Funktion als Knotenpunkt für den Containerumschlag am Niederrhein werden hier nach Abschluss des Ausbaus ab Herbst künftig auch Container aus anderen Contargo-Terminals am Mittel- und Oberrhein konsolidiert und umgeschlagen, die für die Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen bestimmt sind. Das kündigt Jürgen Albersmann, seit 1. Juli Geschäftsführer der Contargo Holding, an. Zuvor war er Geschäftsführer in Neuss.

Contargo reagiert mit der Bündelung von Ladungsmengen auf die zum Teil erheblichen Verzögerungen bei der Abfertigung von Binnenschiffen in den Seehäfen. „Unsere Binnenschiffe müssen häufig 48 Stunden oder mehr auf Bedienung warten“, so Albersmann. Contargo konzentriert sich daher auf größere Seehafenterminals und fährt einige kleinere Terminals nicht mehr oder nur noch eingeschränkt an, um den Umlauf der Binnenschiffe in den Seehäfen zu beschleunigen. „Das gilt für die gesamte Contargo-Flotte“, betont Albersmann.

Voraussetzung für die Hub-Funktion des Neusser Terminals für den Kombinierten Verkehr (KV) am Hafenbecken 5 ist dessen Erweiterung, für die Albersmann verantwortlich zeichnet. „Die Eröffnungsfeier findet am 21. September statt.“ Spatenstich war im September 2016. Mit Investitionen von rund 40 Mio. EUR (inklusive KV-Förderung) hat Contargo die Fläche von 32.000 auf 84.000 m² fast verdreifacht.

Genutzt wird jetzt zusätzlich ein Areal neben dem alten Umschlagplatz, das zuvor vom benachbarten Autoterminal in Beschlag genommen war. Dazu wurde ein Erbpachtvertrag mit den Neuss-Düsseldorfer Häfen abgeschlossen. Zwei neue Krananlagen wurden angeschafft, die Mitte Juni den Betrieb aufgenommen haben. Contargo stehen nun fünf Kranbrücken zur Verfügung. Mit zwei weiteren vom Mitbewerber Neuss Trimodal sind es im Hafenbecken 5 insgesamt sieben. Die Umschlagkapazität des Contargo-Terminals wird damit auf über 200.000 Container pro Jahr gesteigert. Im Moment werden rund 100.000 Container im Jahr umgeschlagen.

Entstanden ist eine der modernsten Anlagen im Contargo-Netzwerk, das 24 Containerterminals umfasst, darunter viele an der Rheinschiene. „Wir holen den gesamten LKW-Verkehr von den Straßen im Hafen“, erläutert Albersmann. Etwa 20.000 m² reine LKW-Verkehrsflächen seien geschaffen worden, darunter 17 neue LKW-Parkplätze, die auch für Gigaliner ausgelegt sind. Bis zu 50 LKW können zusätzlich an der Fahrspur gepuffert werden. „Die gelenkte Verkehrsführung war eine Auflage der Stadt Neuss“, so Albersmann. Rückstaus vor den Toren der Anlage sollen vermieden werden. Installiert wurde ein automatisches Einfahr- und Ausfahrsystem. „Damit kann die Durchlaufzeit im Terminal von 40 auf 20 Minuten reduziert werden“, berichtet er.

Für den Check-in- beziehungsweise Check-out-Prozess, der in acht Sprachen möglich ist, können die Fahrer eine Contargo-Card nutzen. Die gilt künftig auch in allen anderen Contargo-Terminals. „Der Prozess ist so angelegt wie an großen Seehafenterminals in Rotterdam üblich und dürfte den meisten Fahrern damit geläufig sein“, so Albersmann.

Das Terminal ist fast ausschließlich auf die Verkehre zu den Westhäfen ausgelegt, vor allem per Binnenschiff und Bahn. Der Modal Split beträgt etwa 60 zu 40. „Der LKW ist im Direktverkehr eher die Ausnahme und kommt vor allem bei Notfällen zum Einsatz“, sagt Albersmann. Dennoch ist der LKW-Verkehr am Terminal erheblich. Mehr als 500 Fahrzeuge werden dort täglich gezählt. Die Hälfte davon entfällt auf die Contargo-Flotte. Das Unternehmen arbeitet hierbei mit Subunternehmern zusammen.

Pläne für E-LKW

Auch ein Elektro-LKW kommt im Herbst zu Testzwecken im Nahverkehr zum Einsatz. „Auf dem Parkplatz gibt es eine Ladestation“, so Albersmann, der optimistisch hinsichtlich eines weiteren Einsatzes von E-LKW ist. Denn die durchschnittliche Entfernung aller LKW-Fahrten betrage 42 km. Das könne man auch gut mit E-LKW bewältigen – sollten die einmal wettbewerbsfähig sein.

Dreimal wöchentlich verkehren Züge zwischen Neuss und Rotterdam, fünfmal wöchentlich zwischen Antwerpen und Neuss. Albersmann schließt nicht aus, dass im Zuge der Konsolidierung von Containermengen in Neuss die Zugfrequenz erhöht wird. „Im Idealfall werden wir hier eine tägliche Anbindung per Zug nach Rotterdam anbieten können“, ist er überzeugt. Dennoch liegen in der Binnenschifffahrt für Albersmann die größten Kapazitätsreserven. Er geht von einem durchschnittlichen Wachstum des Containerverkehrs von 4 bis 5 Prozent im Jahr auf der Rheinschiene aus.

Für die Großkunden Maersk und MSC baut Contargo nun auch eine Zugverbindung Richtung Nordhäfen auf, konkret nach Bremerhaven. Denn beide Unternehmen betreiben dort Terminals. Albersmann ärgert, dass beide Verkehrsträger störanfällig sind. Entweder legt Sturm Bahnstrecken still oder stoppt Hochwasser den Schiffsverkehr. „Entscheidend ist aber, dass wir den Kunden beide Möglichkeiten anbieten können, um letztendlich eine stabile und sichere Anbindung an die Seehäfen zu gewährleisten“, sagt er – denn alle Zeichen stehen in Neuss auf Wachstum. (Granzow)

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